Formel 1

Alpine und McLaren kämpfen um den Titel „Best of the Rest“

September 9, 2022

Vor wenigen Tagen verlor Alpine den Rechtstreit um Oscar Piastri. Damit fährt das Nachwuchstalent in der kommenden Saison für McLaren. Ein heftiger Dämpfer für das französische Team im Vorfeld das Grand Prix von Italien in Monza. Sportlich hat Alpine die Nase aber vorne. Doch bleibt das so?

Sieg um Piastri als Trumpf für die Zukunft

Nachdem Fernando Alonso bekanntgab, den Platz vom scheidenden Altstar Sebastian Vettel bei Aston Martin zu übernehmen, erklärte Alpine Oscar Piastri zum zweiten Fahrer für die kommende Saison. Alpine bestand darauf, im November 2021 einen gültigen Vertrag mit Piastri abgeschlossen zu haben. Doch Piastri wies dies via Twitter sofort zurück und erklärte, dass er 2023 definitiv nicht für das französische Team fahren werde. Das Nachwuchstalent und sein Management rund um den Ex-Fahrer Mark Webber hatten bereits einen Vertrag mit McLaren abgeschlossen. Beide Teams stellten Anspruch auf den 21-Jährigen. Das vierköpfige Vertragsanerkennungsgremium der FIA trat zusammen und gab nach mehreren Tagen einstimmig bekannt, dass es zu Gunsten von McLaren und Piastri entschieden habe.

Bei McLaren ist die Freude natürlich groß. Das Team hat damit einen der heißesten Kandidaten im Motorsport verpflichtet. Piastri ist in den vergangenen zwei Jahren in die Fußstapfen von Charles Leclerc und George Russell getreten, die in aufeinanderfolgenden Saisons die Titel in der Formel 3 und der Formel 2 gewonnen haben. „Oscar ist eines der aufstrebenden Talente, die über die Zubringerserien in die Formel 1 kommen, und wir freuen uns sehr, dass er für 2023 zum Team stößt“, sagte McLaren-CEO Zak Brown.

Alpine – besseres Fahrer-Duo

Bei Alpine machte sich Ernüchterung breit – deshalb will man sportlich die passende Antwort liefern. Derzeit läuft es auf der Strecke mehr für die Franzosen als das britische Team. Alpine hat in den letzten fünf Rennen 30 Punkte auf McLaren gutgemacht und fährt mit einem Polster von 24 Zählern nach Monza. Das ist im Bereich der „Best of the Rest“, in dem zweistellige Punktzuwächse wie ein Sieg zählen, eine echte Hausnummer.

Trotz vielversprechender Updates bei McLaren scheint Alpine das bessere Auto zu haben. Zudem funktioniert die Fahrerpaarung Alonso und Ocon besser als Norris und Ricciardo. Lando Norris kann man hierbei schwer etwas vorwerfen. Mit 82 Punkten ist er der stärkste Fahrer der vier in der bisherigen Saison. Ocon mit 66 Punkten und Alonso mit 59 Zählern liegen klar hinter dem Briten. Doch Norris‘ Teamkollege Daniel Ricciardo kommt einfach nicht in die Gänge – der Australier konnte erst 19 Punkte einfahren. In den letzten sieben Rennen waren es insgesamt nur vier Zähler! Und nachdem die Kündigung von Ricciardo bei McLaren endgültig durch ist, dürfte die Luft draußen sein.

Alpine – besseres Auto

Es ist auch die schwache Leistung von Ricciardo, die Norris das Leben schwer machen. Wie in Zandvoort kämpft er zumeist gegen zwei Alpine-Boliden. Den Franzosen gibt das die Möglichkeit, unterschiedliche Strategien zu fahren und zumindest einen der beiden Fahrer an Norris vorbeizuschieben, auch wenn der zu Rennbeginn vor Alonso und Ocon liegen sollte.

Wie erwähnt spricht in der letzten Saisonphase auch das Auto für Alpine. Der A522 hat sich zu einem echten Allrounder entwickelt. Anders als der McLaren hat er keine erwiesenen Schwächen. Das Porpoising war nie ein großes Thema. Deshalb mussten die Ingenieure auch keine Kompromisse bei der Abstimmung machen. Ocon lobte nach dem Rennen in Spa: „Das war der beste Alpine, den ich je gefahren bin.“ Mit drei Defekten in 15 Rennen sind die blauen Autos auch technisch eine Bank geworden.

Es gilt abzuwarten, ob Alpine so klar McLaren davonfahren kann, wie erwartet. Derzeit spricht alles dafür. Zumindest kann sich McLaren mit dem „Sieg“ um Piastri trösten.